Eine Heissluftballonfahrt – aus dem Inneren des Moments
Am Anfang ist da dieses leise Zittern in der Brust, ein Gemisch aus Vorfreude und einem Hauch Ungewissheit. Der Korb wirkt erstaunlich stabil, und doch spürst du, dass er dich gleich tragen wird – nicht wie ein Fahrzeug, sondern wie ein Versprechen.
Dann hebt er ab. Nicht ruckartig, nicht dramatisch. Eher so, als würde die Erde dich sanft loslassen. Ein Atemzug, ein kaum merkliches Schweben – und plötzlich bist du nicht mehr Teil des Bodens, sondern Teil des Himmels.
Die Welt unter dir wird stiller. Geräusche sinken ab wie Steine in einen See. Nur das Fauchen des Brenners durchschneidet die Luft, warm und kraftvoll, und danach wieder diese tiefe, fast heilige Ruhe. Du schaust hinunter und erkennst alles wieder – und gleichzeitig wirkt alles neu. Felder werden zu Mustern, Wege zu Linien, Häuser zu kleinen, friedlichen Gedanken.
Der Wind trägt dich, nicht schnell, sondern mit einer Art Absichtslosigkeit, die sich befreiend anfühlt. Du musst nichts tun. Du kannst nichts erzwingen. Du wirst einfach getragen. Und in diesem Getragenwerden liegt eine ungeahnte Weite.
Der Himmel ist näher, als du dachtest. Er hat plötzlich Tiefe, Schichten, Farben, die du vom Boden aus nie bemerkt hast. Und du merkst, wie dein Körper langsam in denselben Zustand übergeht: weiter, leichter, durchlässiger.
Es gibt einen Moment – jeder hat ihn an einer anderen Stelle – in dem du realisierst, dass du keine Angst mehr hast. Dass du dich nicht festhältst, sondern öffnest. Dass du nicht fliegst, sondern schwebst. Und dass dieses Schweben etwas in dir berührt, das du vielleicht lange nicht gespürt hast: eine stille, klare Freude.
Wenn der Ballon wieder sinkt, geschieht es genauso sanft wie der Aufstieg. Die Erde kommt dir entgegen, als würde sie dich willkommen heissen. Und du steigst aus dem Korb mit dem Gefühl, dass du oben etwas gelassen hast, das du nicht mehr brauchst – und etwas mitgenommen hast, das du nicht verlieren willst.
Nachdem ich für einen mir bekannten Gäschäftsführer ein Wort-Bild für sein Geschäft gestalten durfte, zeigte er dieses schöne Wort-Bild seinem Nachbaren, einen arrivierten Künstler. Dieser, hoch erfreut über das gesehenne, wollte mich danach kennen lernen.
Mein Besuch bei ihm, Heiko Schütz, Eisenwerker und Künstler, zeigte sich ungemein freundschaftlich und erbauend. Er erzählte mir, dass er mit einer grossen Kugel aus eisernen Buchstaben einen ungeahnten Weg losgetreten habe.